Bhutan: Glück ist Staatssache

 

Bhutan: Glück ist Staatssache

Geld ist Macht. Aber ist Geld wichtiger als Glück? Bhutan setzt dem Glauben an das Wunder des Wirtschaftswachstums einen radikal anderen Ansatz entgegen: Der Erfolg der Politik wird hier nicht am Bruttoinlandsprodukt gemessen, sondern dem Bruttonationalglück.

Geschäftsreise auf der Suche nach dem Glück

Was bedeutet Glück? Für Karma Wangdi und Tshoki Zangmo bedeutet es erst einmal harte Arbeit. Acht Monate sind sie mit Stapeln von Fragebögen bis in die abgeschiedensten Dörfer des Himalaya-Königreichs gereist, um zu erforschen, wie zufrieden die Menschen in Bhutan sind, welche Wünsche und welche Ängste sie haben. Wangdi und Zangmo sind zwei der Beamten des bhutanesischen Ministeriums für Glück. Ihre Befragung im Jahr 2010 hat der schweizerische Regisseur Harald Friedl in einem Film festgehalten.
Geschäftsreise im Namen des Glücks – was so poetisch klingt, erweist sich als erstaunlich nüchtern. „Haben Sie jemals darüber nachgedacht, Selbstmord zu begehen?“, fragt Karma Wangdi eine alleinstehende alte Frau in ihrer düsteren Kammer und markiert die Antwort auf Frage 69 auf seinem Bogen. „Wie sehr vertrauen Sie Ihren Nachbarn?“ „Wie oft beten Sie?“ „Was bereitet Ihnen Stress?“ – 249 Fragen des unter streng wissenschaftlichen Kriterien zusammengestellten Fragenbogens beleuchten verschiedene Aspekte, die als relevant für Glück gelten, darunter etwa körperliche und geistige Gesundheit, Lebensstandard, Bildung sowie sozialer Zusammenhalt. Die Ergebnisse sollen helfen, die Politik zum Wohl der Bevölkerung zu verbessern.

Der König und das Bruttosozialglück

Das Konzept des Bruttonationalglücks hat in Bhutan bereits eine lange Tradition. Geprägt wurde der Begriff in den 1970er Jahren durch den einstigen König Jigme Singye Wangchuck, der auf die Frage nach dem Bruttoinlandsprodukt des Landes entgegnete, der Erfolg von Bhutans Entwicklung müsse vielmehr am Wohlbefinden der Einwohner als der Staatskasse gemessen werden. In der Verfassung des Landes ist heute verankert, dass sich der Erfolg aller politischen Bestrebungen daran zu messen hat, ob sie dem allgemeinen Glück in Bhutan dienen.
Diese Politik lässt unter anderem darauf zurückführen, dass das Land tief im Buddhismus verwurzelt ist, der die gegenseitige Abhängigkeit allen Lebens voneinander betont. Dieser Philosophie würde es beispielsweise widersprechen, aus wirtschaftlichen Gründen zu stark in das Gleichgewicht der Umwelt einzugreifen.

Glück als Exportschlager

Bhutan spielte bei verschiedenen internationalen Konferenzen zum Thema Bruttonationalglück eine wichtige Rolle. Inzwischen wurde das Konzept des Bruttonationalglücks auch von anderen Ländern aufgegriffen. In den letzten Jahren haben Ecuador und Bolivien Glück in ihren Verfassungen verankert – jeweils beruhend auf zentralen weltanschaulichen Prinzipien des eigenen Kulturraums.
Bhutan exportiert also Glück, aber sind die Bhutanesen wirklich glücklicher als der Rest der Welt? So viel lässt sich sagen: Bhutan ist keine Insel der Seligen. Im internationalen „World Happiness Report“ aus dem Jahr 2013, der von Bhutans Politik inspiriert wurde, führt etwa nicht das Himalaya-Königreich die Wertung an, sondern verschiedene Ländern in Nord- und Mitteleuropa. Auch die Auswertung der Befragungen von Karma Wangdi und Tshoki Zangmo zeigt deutlich, dass es Raum für Verbesserungen gibt: Knapp 30 Prozent der befragte Bhutanesen bewertet Ihr Glücksempfinden auf einer Skala von eins bis zehn mit nur fünf Punkten. Gute 40 Prozent geben sich immerhin sechs oder sieben Punkte.

Sie wollen mehr über Bhutan und sein Konzept des Bruttonationalglücks erfahren? In diesem Video erklärt Jigme Yoser Thinley, der ehemalige Ministerpräsident des Landes, worauf es ankommt.

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